Zeitreise => 2002, zur alten Uni (PH)

Pädagogische Hochschule

(1946-1994)

Auf Anordnung der britischen Militärregierung wurde 1946 in Flensburg die Pädagogische Hochschule Flensburg (PH) als erste Pädagogische Hochschule Schleswig-Holsteins eingerichtet. Zunächst eröffnete der Studienbetrieb mit 92 Studenten in der Marineschule Mürwik, die nach dem Krieg in ziviler Nutzung war. Der Flensburger Lehrbetrieb ähnelte zunächst eher einer Seminarausbildung als einem Hochschulstudium, auch wenn der akademische Bildungsanspruch institutionell festgelegt worden war.
1957 erhielt die PH eine akademische Selbstverwaltung mit Wahlrektorat, ehe sie am 06.01.1959 in den Neubau an der Mürwiker Strasse 77 übersiedelte. Im Jahr darauf war die Zahl der Studierenden auf über 500 angewachsen. Im Frühjahr 1962 löste das 6-semestrige Studium an den PHs des Landes das bis dato nur 4-semestrige Normalstudium ab. 1967 erhielten die PHs den Status wissenschaftlicher Hochschulen und 1973 das Promotionsrecht (Dr. paed.).

 

Danksagung

Prof. Dr. Michael Ruck (Institut für Geschichte und ihre Didaktik) für seine Ausarbeitung zum 60-jährigen Jubiläum der Hochschule.
Quelle: 60 Jahre Universität Flensburg.

 

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Neubau Mürwiker Straße, 1958

 

Erweiterungen und Brand

Das Gebäude nahe der Mürwiker Straße war zunächst eine Aula, ehe es ab 1973 als Bibliothek genutzt wurde. Später wurde diese Bibliothek durch einen Containerbau erweitert, in dem zunächst weitere Buchbestände und nach dem Umzug der Bibliothek auf den Sandberg (1997) Büros eingerichtet wurden.
Die Bibliothek und deren Buchbestand erlitten am 02.11.1993 bei einem Brand, der durch Trennschleifarbeiten an einer alten Lüftungsanlage ausgelöst worden war, erheblichen Schaden. Details dazu bietet das OLG-Urteil vom 21.09.2000.
Nach dem Umzug der Bibliothek wurde die alte Aula bis zum Ende als Auditorium genutzt. Das Berliner GRIPS-Theater gab dort am 09.01.2002 ein Gastspiel unter dem Titel "Projekt Neuer Mensch".

Die alte Aufnahme zeigt den Neubau der PH noch ohne den Großen Hörsaal, der rechts vom Kleinen Hörsaal angebaut wurde. Außerdem wurde an die Sporthalle angebaut, und am rechten Bildrand entstand später noch ein Nebengebäude; die letzte darin stattfindende Veranstaltung war ein Seminar zum EU-Gipfel in Kopenhagen (13.12.2002). Neben der Sporthalle befand sich ein beliebtes Beachvolleyballfeld, das der AStA finanziert hatte.

Die Zahl der Studierenden stieg von 1997 bis 2002 von 2.000 auf 3.000, weil die Lehramtsausbildung für Lehramt an Grund- und Hauptschulen von Kiel nach Flensburg verlagert wurde. Für diese Zahl Studierender waren die Gebäude nicht mehr ausreichend.
 

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Der PH-Campus kurz vor seinem Betriebsende

 

Eindrücke


Panorama-Tour - Alter Campus (1959-2002)

2002, im letzten Jahr der Nutzung des alten Hauptgebäudes der alten PH hat ein Mitarbeiter des ZIMT Panorama-Touren an ausgewählten Orten des Geländes und Gebäudes erstellt. Die nachfolgenden Bilder sind diesen eindrucksvollen Panorama-Touren entnommen.

Wir erleben einen Rundgang an der alten Uni, Mürwiker Straße, der uns vom Eingang des 1950er Jahre Baus über die zentralen Punkte zur Liegewiese führt:

 

Vorplatz Haupteingang Blick vom Haupteingang in Richtung Osten, Mürwiker Straße. Im Vordergrund ein Fahrradständer, auf der Wiese eine Skulptur, die jetzt vor dem E-Gebäude auf dem Campus am Sandberg steht. An der Treppe im Hintergrund standen ein Mirabellen- und ein Apfelbaum, die im August leckere Früchte gaben. Beide Bäume wurden - willkürlich - Anfang August 2004 abgeholzt.
Die Mürwiker Straße war noch bis etwa 1994 von hohen Bäumen geziert, die aber vom Ulmenkäfer befallen waren und gefällt werden mussten. Links, außerhalb des Bildes, schließt sich das Auditorium an, das bis 1997 als Bibliothek diente.
 

Vorplatz des Haupteinganges

 

Haupteingang Der Haupteingang zum Hauptgebäude. Rechts, vom meterhohen Gewächs bedeckt, schloss sich das Auditorium an, links die Mensa. Wenn vor dem Haupteingang keine rauchenden Studierenden standen, liefen meistens Veranstaltungen. Die Schiebetüren waren oft zickig.
 

Haupteingang Mürwiker Straße 77

 

Foyer: AStA

Nach dem Betreten des Gebäudes stand man im Foyer. Rechts ging es zur Pforte, zum Auditorium oder zum Sprachlabor. Aber da waren auch die Büros des AStA, vor denen zwei Kopierer standen. Die Büros waren winzig klein, und meistens waren die Türen offen, damit wenigstens etwas Luft und Licht (Nordfenster) in die kleinen Räume gelangte. Dabei wurde in den Büros durchaus effizient gearbeitet: Während Feten, Streik-Aktionen, im Büro-Alltag. Sogar ein Examensball bzw. dessen Buffet wurde dort, auf ca. 8 qm angerichtet. Mit zwei PCs, 3 Tischen, einem Kühlschrank und einer Spüle war das Büro ausgelastet. In dem linken Büro ("AStA-1b") war neben der Spüle ein altes Regel der 1998 umgezogenen Bibliothek eingezogen, welches u. a. der ab Ende 1998 eingerichteten asta-buchhandlung(rot-graues Türschild) als Bücherlager diente. Das gelbe Schild auf der Tür warnte vor der Einführung von Studiengebühren. Die Holzbank hat den Umzug auf den Campus heil überstanden.
 

Im Foyer vor den winzigen AStA-Büros

 

Gang zur Mensa

Eine Kehrtwendung, und man war auf dem Weg in Richtung Mensa. Rechts lag der mediterrane Innenhof, ein Paradies für Goldfische, Raucher und Naturburschen. Der rot beschilderte Automat auf der linken Seite des Ganges wurde erst ~2001 aufgestellt und erlaubt das Lösen von Fahrkarten. Der Gang war oft belebt. Es war ein angenehmer Ort, gewärmt von der Sonne. Die Statue am linken Bildrand befindet sich seit dem 17.08.05 im Foyer des neuen Hauptgebäudes.
 

Auf dem Weg zur Mensa entlang des Innenhofes

 

In der Mensa

Die Mensa, die die letzten Jahre einfach zu klein war. Sie hatte einiges mitgemacht, und das sah man insbesondere an den Stuhlbezügen und Fenstergardinen. Bei Feten wurden die Lampen hochgebunden, und es wurde abgerockt. Links waren zuletzt zwei Automaten aufgestellt. Das Personal hatte es unter den Arbeitsbedingungen in der zu engen Küche (es wurde auch für die FH gekocht und das Essen dorthin transportiert) nicht leicht, blieb aber meistens guten Mutes. Speis und Trank entsprachen einer Großküche. Es gab Gemaule, aber keine Todesfälle. Im Namen aller gesättigten Studierenden: Danke!
 

In der Mensa, die leider geschlossen hat

 

Foyer: Treppe

Die Treppe führte in den 1. und 2. Stock des Hauptgebäudes zu den Seminarräumen und DozentInnenbüros. Links befand sich hinter großflächigen Glasscheiben der sonnige Innenhof. Die Tür in der Mitte führte in den Bereich der Verwaltung: Zum Rektorat, zur Poststelle, zu den Postfächern, in den Keller. Das Studentensekretariat lag ursprünglich in einem Raum hinter der Treppe, verlegte aber nach dem Umzug der Bibliothek in die freigewordenen Räume.
 

Im Foyer: die Treppe weist den Weg in den 1. und 2. Stock

 

Foyer: Richtung Hörsäle

Die Tür in der Bildmitte war der Weg zum langen Gang im Erdgeschoss. Rechts davon lagen die WCs, daneben die Büros des AStA. Das Interessante am Foyer war, dass es nicht symmetrisch angelegt war. Säulen standen im Raum, und eigentlich wußte niemand, außer dem Architekten, warum sie dort standen. Die Info-Bretter neben und vor dem AStA waren oft chaotisch und zeugten von einer vernachlässigten Selbstorganisation der Studierenden.
Das Foyer war der zentrale Treffpunkt der Hochschule. Man traf fast immer jemanden, den man kannte, weil es eine "Kreuzung" war. Es führten Wege in die Verwaltung, zu den Hörsälen, in die anderen Stockwerke, in die Mensa, in das Auditorium, zur Pforte, zum AStA, zu den WCs und nach draußen. Zu Weihnachten gab es hier ein Ständchen.
 

Im Foyer auf dem Weg in Richtung Hörsäle

 

Gang zu den Hörsälen

Der Gang verlief im Erdgeschoss des Hauptgebäudes. In ihm lagen Büros der Verwaltung. Am Ende des Ganges sieht man die Treppe des Foyers. Rechts am Bildrand ist ein Vorraum, der zum Fahrstuhl führte.
Ein- bis zweimal im Jahr waren im Gang auch die Spurgen großer Feten zu sehen: Nach einigen Abendstunden war der Boden grau vor Dreck.
 

Blick vom Hörsaalvorraum auf den langen Gang_

 

Vorraum zu den Hörsälen

Der Vorraum war eine weitere "Kreuzung". Zur linken Seite lag der lange Gang, geradeaus trat man ins Freie und lief entlang der Sporthalle, die kleine Tür in der Bildmitte führte zur Druckerei und zu den Kabinen für die Umkleide. Die Glastür führte zum Vorhof des Großen Hörsaals. Rechts schloß sich die Tür zum Kleinen Hörsaal an. Die Säule ist beklebt mit gelben Werbezetteln des unistarter.
 

Vorraum zu den Hörsälen und zum Sportbereich

 

Großer Hörsaal

Er war groß, aber nicht groß genug. Ca. 230 Sitzplätze hatte der Große Hörsaal. Genug Plätze für die PH mit 1.000 Studierenden, zu wenig für die wachsende Bildungswissenschaftliche Hochschule Flensburg (1994-2000) und Universität Flensburg. Hier fanden alle großen Veranstaltungen statt, u. a. die studentischen Vollversammlungen. Es wurde gelehrt, gelernt, diskutiert, argumentiert, gestritten.
Vor den drei Doppeltafeln lagen Podeste, die zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits entfernt waren. Die blauen Vorhänge links verdecken ein Waschbecken und den Schrank mit der Audioanlage. Links, außerhalb des Bildes, befand sich der Eingang, der durch einen Vorraum und den Vorhof des Großen Hörsaals führte. Am rechten Bildrand neben dem blauen Vorhang ist die weiße Tür des Notausgangs zu sehen, der direkt in den Vorhof des Großen Hörsaals bzw. den Innenhof des Sportbereichs führte. Aus dem linken Fenster blickte man auf die Mürwiker Straße, aus dem rechten Fenster auf die Sporthalle und das Nebengebäude.
 

Im großen Hörsaal, Ort mancher studentischen Vollversammlung, zuletzt am 06.05.2002

 

Großer Hörsaal

Außenansicht des Großen Hörsaals, Blick Südosten. Am rechten Bildrand schließt sich die Sporthalle an, von deren Dach sich Grünes rankt. Dahinter befindet sich der Vorhof zum Großen Hörsaal bzw. der Innenhof des Sportbereichs. Der Seitengiebel am Hauptgebäude ist der Fahrstuhlschacht. Die Architektur des Großen Hörsaals hatte den Charme der 50er Jahre. Ihn umarmte eine grüne Wiese, die der Erholung diente. Vor Himmelfahrt im Mai nutzte das IFPT die Wiese als Zeltwiese für die Gäste. Das Bild ist aufgenommen von der Böschung, welche das in der Ecke der Wiese aufgeschüttete Volleyballfeld umgab.
 

Außenansicht des Großen Hörsaals vom Volleyballfeld

 

An der Sporthalle

Blick entlang der Sporthalle auf die Wiese, Richtung Osten, Mürwiker Straße. Die Sporthalle schloß sich an den Großen Hörsaal an. Direkt in der Bildmitte ist der Anbau an die Sporthalle zu sehen, der erst ~2000 vorgenommen wurde und als Geräteschuppen für die Sportgeräte diente. Dahinter hat man zuvor den Großen Hörsaal sehen können. Am linken Bildrand ist das Dach eines kleinen Holzhauses zu sehen, in dem Geräte abgestellt waren. Dreht man sich um 180°, dann fiele der Blick auf das Nebengebäude, in dem u. a. die Technik und die Hauswirtschaft untergebracht waren. Seine letzte Nutzung erfuhr das Nebengebäude Ende 2002 anläßlich eines internationalen Kongresses.
 

Außenansicht der Sporthalle neben dem Großen Hörsaal

 

Auf der Wiese

Die Wiese war ein sehr angenehmer Erholungsraum. Der Blick fällt in Richtung Norden auf den schönsten Baum des Geländes. Hinter ihm befinden sich der Versorgungsweg zum Hauptgebäude sowie die Sporthalle. Links am Bildrand wäre das das Nebengebäude zu sehen, wenn nicht ein weiterer Baum den Blick verdecken würde. Auf der Wiese wurde nicht nur gefaulenzt sondern auch gearbeitet. Trockene Reste des gemähten Grases sorgten für weiches Liegen.
 

Die Wiese: Unser Freund, der Baum

 

Auf der Wiese

Blick auf das Hauptgebäude, Richtung Osten. In der Mitte des Bildes sieht man den Anbau des Hauptgebäudes, der der Verwaltung und der Hochschulleitung diente. Die Überdachung rechts verdeckt den malerischen Innenhof, der zur Mensa und zu den Räumen der Musik führte. Der Anbau am Hauptgebäude mit den runden Giebel ist der Fahrstuhlschacht. Auf dieser Seite des Hauptgebäudes lagen, in Richtung Westen, die Büroräume. Die Seminarräume lagen auf der anderen Seite, in Richtung Osten.
Die Wiese war in der warmen Jahreszeit ein idyllischer und angenehmer Ort, mit dem einige Erinnerungen verknüpft sein dürften. Wendet man den Blick um 180°, dann ist das Wohnheim des Studentenwerks, die Flensburger Burse, zu sehen.
 

Auf der Liegewiese, Blick auf die Rückseite des Hauptgebäudes

 

Wohnheim

Blick auf das Wohnheim Flensburger Burse, Richtung Westen. Das Wohnheim hatte drei Ebenen, von denen die erste fast im Boden versank, weil das Gelände an dieser Stelle in Richtung Förde abfällt. Vor dem Eingang in der Bildmitte parken die Fahrräder der Bewohner. Der Komfort im Wohnheim war bescheiden, aber man lernte fürs Leben, sich auf engem Raum in Gesellschaft zurecht zu finden.
 

Wohnheim Flensburger Burse

 

Danksagung

Damit endet unser Gang über den alten Campus an der Mürwiker Straße. Die Panorama-Touren haben noch mehr zu bieten, weitere Einblicke sind möglich. Wir danken dem ZIMT, insbesondere Christian und Helge! >>

Das alte Gebäude hat uns lange gedient, an ihm hängen viele Erinnerungen. Ende 2002 wurde das Gebäude von der Verwaltung aufgegeben und im Sommer 2004 vollständig abgerissen. *seufz*
Lediglich das Wohnheim überlebte den Abriss der Hochschulgebäude, da es Eigentum des Studentenwerks war.

 

Raumnot

Angesichts der Studierendenzahl im neuen Hauptgebäude auf dem Sandberg wird das alte Hochschulgebäude vermisst. Im Dezember 1997 streikten Studierende der Uni eine Woche "aus Solidarität mit den bundesweiten Streiks". Platzprobleme waren damals, bei knapp 2.000 Studierenden nicht spürbar. Heute, im November 2004, sind es 4.000 Studierende, die Unterfinanzierung des Hochschulwesens hat Flensburg erreicht: die Räume im neuen Gebäude auf dem Campus reichen nicht aus, und das alte Gebäude ist nicht mehr.

 

Abschied Im Innenhof vor dem Hauptgebäude

 

Innenhof Hauptgebäude

Der Innenhof war Erholungsraum über viele Jahrzehnte. Das verglaste Treppenhaus war die sonnendurchflutete Südseite des Hauptgebäudes, an das sich die Mensa und der Versorgungstrakt sowie die Räume der Musik anschlossen.

 


 

* 2 0 0 5  Das Ende der "P H"

Die PH ist verschwunden. - Map by Google 2007

Eine Stätte des Geistes wird zu einer Stätte des Geizes:
Es entstehen ein Einkaufszentrum und viele Wohnhäuser.