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Der Weg ins 21. Jahrhundert
Der Weg ins 21. Jahrhundert
Auf der Datenautobahn in eine lichte Zukunft oder rasende Talfahrt ins Nichts? 12 / 1999
Jahrhundertbilanz und -ausblick aus politischer, sozialwissenschaftlicher und kultureller Sicht. Eine Veranstaltungsreihe des AStA der Uni Flensburg und Tigerberg e.V
Einleitung
Die Jahrtausendwende erscheint als ein geeigneter symbolischer Anlaß, die gesellschaftliche Wirklichkeit grundlegend auf den Prüfstand zu stellen, Rückschau zu halten und über Perspektiven nachzudenken. Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was sind die wirklich wichtigen Fragen unserer Zeit? Wie lassen sie sich beantworten?
Die Vortragsreihe soll Anstöße für eine Debatte über die Welt, in der wir leben, provozieren, scheinbare Selbstverständlichkeiten in den Bereich der Wahrnehmung rücken und in Frage stellen. Dafür müssen Entwicklungen und Zusammenhänge aufgezeigt und Erklärungen gefunden werden. Eine satirische Zeitkritik soll dabei nicht zu kurz kommen. Die Referenten garantieren gewagte Einblicke, erstaunliche Ausblicke und vielleicht ein bißchen mehr Überblick.
Prof. Dr. Hauke Brunkhorst, geschäftsführender Direktor des Instituts für Soziologie an der Universität Flensburg, wird die Veranstaltungsreihe im neuen Jahrtausend mit einem einleitenden Referat zum Thema Globalisierung eröffnen.
Flensburg im November 1999
( Torsten Feltes )
Referent des AStA für Hochschulpolitik
Veranstaltungen
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Do., 02.12.1999 20:00 Uhr, Mensa |
NULLZEIT - Über den mikroelektronischen Fortschritt in die Zeitlosigkeit des Kapitals Die so atemberaubende wie umwerfende Entwicklung der Mikroelektronik blendet noch den kritisch gestimmten Betrachter so sehr, daß über dem Begaffen und Betratschen der computergesteuerten Produktivkräfte jeder Begriff des gesellschaftlichen Produktionsverhältnisses lächerlich scheint und also überflüssig. Beklagte noch vor über zwanzig Jahren Joseph Weizenbaum, Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT), wie der Titel seines Bestsellers lautete, "Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft", so hat sich gegenwärtig ein Zustand eingestellt, in dem die Vernunft nicht mehr nur schwach und hilflos scheint, sondern als eine höhere Form der Dummheit in Gestalt einer umtriebigen und wohlinformierten Bescheidwisserei. Der Vortrag möchte zeigen, daß - wie stets, so auch in Sachen Bits and Bytes - jedweder Produktivkraftfetischismus unangemessen ist, daß vielmehr die Technik eine zwar notwendige, keineswegs aber hinreichende Bedingung der permanenten Revolutionierung der Produktionsverhältnisse durch das Kapital darstellt. Die heutige Zeit des Kapitals ist die Echtzeit der Verwertung, das heißt: die negative Utopie unmittelbarer Einheit von Produktion und Realisation des Mehrwerts, das heißt schlußendlich: Vernichtung von Zeit überhaupt durch Verwirklichung der Nullzeit. Joachim Bruhn ist Mitarbeiter des Freiburger Instituts für Sozialkritik und arbeitet als freier Autor, Publizist und Verleger. Er ist Autor u.a. von "Was deutsch ist. Zur kritischen Theorie der Nation".
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Mi., 08.12.1999 20:00 Uhr, Mensa |
Anschluß an das Dritte Jahrtausend 1999 ist das Jahr der Jubiläen, der nachhaltigen Bewältigung, der großen Denker, kleiner Durchbrüche auf dem Weg in die Zukunft, aber auch das Jahr der ängstlichen Frage: Verpaßt Deutschland den Anschluß an das dritte Jahrtausend? - eine Frage, die sich alle stellen, weil sie allen gestellt wird. Ist die Regierung auf dem richtigen Weg, oder kommt das Sparprogramm zu spät? Der Kapitalismus droht ins Geld, in Dienstleistungen, ins Globale oder gar in die Virtualität zu verschwinden. Bringen Schröder-Blair oder eher Lafontaine ihn uns zurück? Wann werden die Menschen begriffen haben, daß sie Lohnnebenkosten sind? Warum muß neu und nicht alt gedacht werden? Wer sich die Zukunft aneignen will, braucht Normalität und die muß in Deutschland einer Vergangenheit abgerungen werden, über die sogar gestritten werden darf, solange der Disput die Nation weder spaltet, noch behindert. Wieviel Vergessen und Wehrmacht-Ausstellung, wieviel Schluß-Strich und Erinnerung, wieviel Nachdenklichkeit und Unbekümmertheit, wieviel Weizäcker und Herzog sind nötig? Dürfen die USA in Kriegen für übergeordnete geostrategische Menschenrechte auch künftig mehr Bomben werfen, oder holen Deutschland und Europa auf? Wo sind die Vorbilder und Visionen, wo die Denker und die Praktiker, die uns helfen? Ist der Humanismus kaputt und welchen Beitrag leisten esoterische Naturkraftfelder und Vorsehungen? Sollten Menschen häufiger über Glasscherben und glühende Kohlen laufen oder geklont werden? Warum mobben sie ihre Kollegen, statt sich selbstständig zu machen? Wieso haben die Städte Furtwangen und Ludwigslust die Zukunft nicht verschlafen? Alle Parteien scheinen sich darin einig zu sein, daß die Jagd auf anders aussehende Menschen von zu wenig Arbeitsplätzen kommt. Wie verhalten sich Rassismus und soziale Frage zueinander? Weitere Fragen dürfen nicht ausgelassen werden. Thomas Ebermann und Rainer Trampert, freie Autoren aus Hamburg, präsentieren einen Abend zwischen Satire und Aufklärung, Sarkasmus und politischer Analyse. Ein präziser Rundumschlag.
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Do., 06.01.2000 |
Die Zukunft der Arbeit In der Geschichte des westlichen und besonders des modernen Denkens hat sich die Sprache von Philosophie und Wissenschaft immer mehr von der Sprache der gewöhnlichen Menschen entfernt und ist zur Geheimsprache einer elitären, von der übrigen Gesellschaft getrennten Priesterkaste des Wissens geworden. Es gibt wenig Begriffe, die gleichzeitig der Sphäre der theoretischen Reflexion und der Sphäre des alltäglichen Lebens angehören. "Arbeit" ist ein solcher Begriff, der einerseits eine philosophische, ökonomische und soziologische Kategorie darstellt, andererseits aber auch auf eine verwirrend vielfältige Weise in der Lebenspraxis aller Menschen verwendet wird. Dieser besondere Charakter der gesellschaftlichen Bedeutung von "Arbeit" verweist auf einen universellen Zusammenhang in der modernen Welt. Kein Wort ist auf den ersten Blick klarer und keines auf den zweiten Blick unklarer als dieses. Das zentrale Bezugssystem der modernen Gesellschaft ist die Arbeit als materielle Grundlage der sozialen Existenz und als Grundstruktur der Lebenspläne. Die fundamentale Krise der heutigen Gesellschaft zerstört dieses Bezugssystem. Die dritte industrielle Revolution des Computerzeitalters macht die menschliche Arbeit in einem bisher unbekanntem Maße überflüssig. Somit ist gerade die Arbeiterbewegung unmittelbar und existentiell von deren Erosion betroffen. Kurz ist ein brillanter Analytiker der gegenwärtigen gesellschaftlichen Zustände. Er rüttelt an Selbstverständlichkeiten, die, eben weil sie Selbstverständlichkeiten sind, nicht mehr in Frage gestellt werden. Eine solche kritische Betrachtung des Normalen erschließt aber plötzlich Antworten auf Fragen, die kaum jemand zu stellen, geschweige denn zu beantworten wagt. Kurz bietet für scheinbar Unerklärliches Erklärung. Doch damit nicht genug. Er versteht es seinen Darlegungen eine gewisse Lebendigkeit zu geben - ein bißchen Polemik hier, ein wenig Ironie und Spott dort - doch nie verliert er dabei die Sache selbst aus den Augen. Robert Kurz, geboren 1943, lebt als freier Publizist und Referent in Nürnberg. Studium der Geschichte, Philosophie und Politischen Wissenschaften. Mitherausgeber der Theoriezeitschrift "Krisis". Sein neuestes Buch "Die Welt als Wille und Design. Postmoderne, Lifestyle-Linke und die Ästhetisierung der Krise." ist erst in diesem Jahr erschienen.
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Mi., 19.01.2000 20:00 Uhr, Mensa |
Perspektiven der Revolutionierung der Produktivkräfte Mit der Aufklärung des 18. Jahrhunderts begann die Hoffnung auf eine durch die menschliche Vernunft bestimmte Revolutionierung der sozialen Verhältnisse. Aber die beständige Revolutionierung der Produktivkräfte unter den Bedingungen der herrschenden kapitalistischen Produktionsweise modelliert die gesellschaftlichen Verhältnisse so, daß den Menschen das Bewußtsein von den Möglichkeiten der eigenen Gestaltung einer auf Vernunft gründenden Einheit der Menschen verloren geht. Die in den Gesellschaften von Menschen hervorgebrachten jeweils neuen technischen Mittel stellen eine Bedingung der Universalisierung des Prinzips der kapitalistischen Produktion dar. Diese Universalisierung reduziert die Menschen auf den instrumentellen Gebrauch ihrer Vernunft zu ihnen fremden Zwecken. Die Menschen sind noch immer nicht das Subjekt ihrer eigenen Geschichte, sondern sind einem von ihnen hervorgebrachten, durch die materielle Reproduktion ihres Lebens sich erhaltenden Prinzip unterworfen - verharren weiterhin in der von Immanuel Kant konstatierten Unmündigkeit. Michael Löbig ist Lehrbeauftragter für Philosophie an der Universität Flensburg und hat verschiedene Publikationen über Georg Wilhelm Friedrich Hegel veröffentlicht.
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Mi., 26.01.2000 20:00 Uhr, Mensa |
Wie weiter? Ost und West und die Mauer im Kopf "Meine Lachanfälle wurden irgendwann von den Nachbarn unterbrochen, die mir androhten, wegen Lärmbelästigung die Polizei einzuschalten." So die Reaktion eines Lesers auf ein von Klaus Bittermann herausgegebenes Buch. Diese Bücher tragen Titel wie "Sorge dich nicht, lese!", "Das Wörterbuch des Gutmenschen", "Geisterfahrer der Einheit", "Gemeinsam sind wir unausstehlich" oder "Das Who's who peinlicher Personen". Auch als Feuilletonist hat sich Klaus Bittermann einen Namen gemacht. Er verfährt frei nach dem Motto: Warum sachlich, wenn's auch persönlich geht? Solange man nicht selbst in die Schußlinie gerät - ein großes Vergnügen. Klaus Bittermann arbeitet als Publizist und ist Verleger in Berlin. |
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